Das Interview findet per Videocall statt. Im Nebenzimmer schläft der dreijährige Sohn von Jennifer Kindel. Er musste heute früher aus der Kita geholt werden.
Jennifer, du bist Marketingleiterin und Mutter – wie sieht ein typischer Tag bei dir aus?
Jennifer Kindel: Mein Tag beginnt gegen 6 Uhr. Wir starten gemeinsam mit Spielen und dem Fertigmachen für die Kita. Danach geht’s für mich meist ins Büro, manchmal ins Homeoffice, wo ich mit meinem Team an Projekten arbeite, Strategien plane oder Meetings leite. Nachmittags hole ich meinen Sohn ab, wir verbringen gemeinsame Zeit. Wenn nötig, erledige ich später noch ein paar Dinge. Es ist eine Mischung aus klarer Struktur und spontaner Flexibilität.
Mein Mann und ich teilen uns auf mit dem Bringen und Abholen, so dass jede*r von uns ausreichend Zeit für den Job oder auch für Auszeiten hat.
Welche Herausforderungen bringt die Kombination von Führungsrolle und Familienalltag mit sich – und wie meisterst du diese?
Die größte Herausforderung ist definitiv die Zeit. Ich möchte für das Team genauso präsent sein wie für meine Familie. Daher habe ich gelernt, Prioritäten zu setzen, Aufgaben zu delegieren und auch bewusst „Nein“ zu sagen, wenn es zu viel wird.
Gab es schon öfter Situationen, in denen die Kita spontan ausgefallen ist? Wie flexibel kann dein Arbeitsalltag in solchen Fällen gestaltet werden?
Ja, das kommt natürlich vor. Da schätze ich sehr, dass ich Dank Homeoffice und einem unterstützenden Team Aufgaben kurzfristig weitergeben oder auch mal Aufgaben etwas später machen kann. In seltenen Fällen habe ich Kasimir auch mal mit ins Büro genommen, das klappt auch sehr gut.
Welche Unterstützung erlebst du im Unternehmen,
wenn es um familiäre Verpflichtungen geht?"Ich erlebe viel Verständnis. Es gibt die Möglichkeit, flexibel zu arbeiten, und auch die Unternehmenskultur ist darauf ausgerichtet, dass Familie und Beruf Hand in Hand gehen dürfen. Das nimmt enormen Druck raus."
Jennifer Kindel ist seit 2020 bei cambio dabei
Was bedeutet für dich persönlich „Flexibilität im Job“ – und wie wichtig ist sie für dich als Mutter und Führungskraft?
Flexibilität bedeutet für mich, dass ich meine Arbeitszeiten und -orte so gestalten kann, dass sie zu den Bedürfnissen meiner Familie passen, ohne dass die Arbeit darunter leidet. Es ist für mich der Schlüssel, um beide Rollen gut ausfüllen zu können.
Wie gestaltet dein Team das Thema Work-Life-Balance? Gibt es hier ein gemeinsames Verständnis?
Ja, absolut. Wir achten darauf, Pausen einzuhalten, Überstunden zu vermeiden und auch mal klare Grenzen zu ziehen. Das funktioniert, weil wir Vertrauen zueinander haben und jeder weiß, dass Leistung nicht von ständiger Erreichbarkeit abhängt.
Welche Erfahrungen möchtest du anderen Kolleg*innen mitgeben, die sich ebenfalls zwischen Karriere und Familie bewegen?
Mein Tipp wäre: Offen über die eigenen Bedürfnisse sprechen und nicht versuchen, alles perfekt zu machen. Es ist okay, wenn mal etwas nicht reibungslos läuft. Wichtig ist, sich selbst nicht unter Druck zu setzen und die richtige Balance zu finden. Und auch mal Phasen zuzulassen, wo etwas länger dauert und sich nicht schnell lösen lässt. Auch das fällt mir noch oft schwer.
Hat sich dein Führungsstil durch die Elternschaft verändert? Wenn ja, inwiefern?
Das kann ich gar nicht klar beantworten. Aber ich glaube schon. Vermutlich müsste man diese Frage aber eher ans Team stellen.
Welche Rahmenbedingungen müssten Unternehmen schaffen, um Führung in Teilzeit oder mit hoher Flexibilität besser zu ermöglichen?
Es braucht klare Modelle für flexible Führung, Vertrauen in hybride Arbeitsweisen und eine Unternehmenskultur, die Ergebnisse wichtiger findet als Präsenz. Außerdem sollten Führungsaufgaben so verteilt werden, dass auch Teilzeitführung realistisch ist.
Und zum Schluss: Was wünscht du dir für die Zukunft – sowohl beruflich als auch privat?
Beruflich wünsche ich mir, weiter spannende Projekte zu gestalten und mein Team auf seinem Weg zu begleiten. Privat wünsche ich mir, dass meine Familie gesund und glücklich bleibt.
Ganz lieben Dank, Jennifer, dass du dir
die Zeit für das Gespräch genommen hast!
Text: Catharina Oppitz
Bilder: cambio, Canva
Veröffentlicht am: 05.03.2026