Berlin ist groß und immer in Bewegung. Und mittendrin: Jamel Otmane, Standortleiter von cambio in Berlin. Täglich jongliert er zwischen Teammeetings, Datenanalysen und der Frage, wie eine lebenswerte Stadt von morgen aussehen kann. Im Gespräch erzählt er, wie er zum CarSharing gekommen ist, was Berlin für seine Arbeit so besonders macht und wo er die größten Hebel für Veränderungen sieht.
Jamel, du bist Standortleiter in Berlin. Wie sieht ein typischer Tag bei dir aus?
Jamel Otmane: Meine Tage sind sehr abwechslungsreich. Digital habe ich viele Teammeetings, in denen wir uns zu aktuellen Themen, neuen Stationen oder Auslastungen abstimmen. Analog treffe ich mich häufig mit Kooperationspartnern und Behörden, um Standorte zu planen oder weiterzuentwickeln.
Dazu kommt die Datenanalyse: Welche Stadtteile laufen gut? An welcher Station gibt es Handlungsbedarf? Wo müssen wir nachsteuern, wo können wir ausbauen? Genau dieser Mix aus Menschen, Zahlen und Strategie macht die Arbeit für mich so spannend.
Wie bist du eigentlich zu cambio gekommen?
Meine Reise ins CarSharing begann vor 11 Jahren, als ich als Rollout Manager beim CarSharing-Anbieter Greenwheels gestartet bin. In dieser Rolle war ich im gesamten deutschen Bundesgebiet unterwegs. Den Anbieter gibt es heute zwar nicht mehr, aber für mich war das der Einstieg in eine Branche, die mich bis heute fasziniert.
Davor habe ich sieben Jahre bei Fielmann als Optiker gearbeitet. Irgendwann war für mich klar, dass ich eine neue Herausforderung suche. Eine Aufgabe, die stärker an Zukunftsfragen, Stadtentwicklung und Mobilität gekoppelt ist. So bin ich eher zufällig beim CarSharing gelandet.
CarSharing ist eine unglaublich spannende Branche: Sie hat viel mit der Stadt zu tun und mit der Frage, wie wir als Gesellschaft leben wollen. Man muss strategisch denken und kommunikatív stark sein. Auch wenn der Weg dorthin nicht geplant war – heute kann ich sagen: Es passt einfach.
Berlin ist groß, bunt und manchmal auch ganz schön chaotisch. Was macht die Stadt für dich persönlich aus? Was bedeutet das ganz konkret für deine Arbeit als Standortleiter?
Besonders spannend finde ich das große Einzugsgebiet: Ich arbeite mit sehr unterschiedlichen Bezirken zusammen. Manchmal fühlt sich das an, als wären es völlig verschiedene Städte. Was in einem Bezirk für lange Diskussionen sorgt, lässt sich in einem anderen schnell und reibungslos umsetzen. Diese Unterschiede zu erleben und damit umzugehen, ist für mich richtig spannend.
Wenn du an die Berliner cambio-Kund*innen denkst: Was hörst du besonders oft?
Viele Kund*innen wünschen sich ein berlinweites cambio-Netz. Dieser Wunsch ist absolut nachvollziehbar – aber er lässt sich in der Realität nicht einfach auf Knopfdruck umsetzen.
cambio steht für Nachhaltigkeit und wächst organisch. Wir wachsen tatsächlich, aber bewusst aus dem Kern heraus. Die Branche zeigt ja sehr deutlich, was passiert, wenn Anbieter um jeden Preis expandieren wollen: Viele der damaligen Mitbewerber gibt es heute nicht mehr.
Welche Herausforderungen begegnen dir im Alltag am häufigsten?
"Als Standortleiter muss man sehr breit gefächert denken – die Aufgabenbereiche sind unglaublich vielfältig. Gerade für eine Stadt wie Berlin braucht es ein feines Händchen, um mit möglichst jedem Bezirk gut im Austausch zu sein."
Jamel Otmane ist seit 2025 bei cambio dabei
Wenn du an die Berliner cambio-Kund*innen denkst: Was hörst du besonders oft?
Viele Kund*innen wünschen sich ein berlinweites cambio-Netz. Dieser Wunsch ist absolut nachvollziehbar – aber er lässt sich in der Realität nicht einfach auf Knopfdruck umsetzen.
cambio steht für Nachhaltigkeit und wächst organisch. Wir wachsen tatsächlich, aber bewusst aus dem Kern heraus. Die Branche zeigt ja sehr deutlich, was passiert, wenn Anbieter um jeden Preis expandieren wollen: Viele der damaligen Mitbewerber gibt es heute nicht mehr.
CarSharing soll ja helfen, dass in einer Stadt wie Berlin weniger private Autos unterwegs sind. Wo siehst du im Moment die größten Hebel? Wo erlebst du auch Grenzen dessen, was CarSharing leisten kann?
Ein großer Vorteil des stationsbasierten CarSharings ist die Planbarkeit: Unsere Fahrzeuge haben feste Stellplätze, auf die man sich verlassen kann. Wo die Grenzen liegen, hängt stark davon ab, wie oft man tatsächlich ein Auto braucht.
CarSharing ist ideal für Gelegenheitsnutzer*innen – oder für Menschen, die genau das werden wollen. Wer aber in seinem täglichen Arbeitsalltag dauerhaft und mehrmals am Tag auf ein Auto angewiesen ist, für den ist CarSharing in der Regel nicht die passende Lösung.
Wenn du fünf bis zehn Jahre nach vorne schaust: Wie stellst du dir eine zeitgemäße, lebenswerte Mobilität in Berlin vor?
In Berlin gibt es die Sharing-Strategie 2035. Schon jetzt wurden zahlreiche Einbahnstraßen und Spielstraßen eingerichtet und die Parkraumbewirtschaftung deutlich intensiviert. Die Stadt Berlin möchte damit massiv darauf einwirken, dass sich die Verkehrsströme verändern. All diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, dass Berlin noch lebenswerter wird.
cambio sitzt als CarSharing-Anbieter regelmäßig mit anderen Sharing-Anbietern an einem Tisch. Gemeinsam entwickeln wir Strategien, wie wir den Menschen attraktive Alternativen zum eigenen Auto bieten können.
Und ganz persönlich: Gibt es ein Projekt oder eine Veränderung in Berlin, auf die du dich in den nächsten Jahren besonders freust?
Ich freue mich besonders auf alles, was mit neuen Stellflächen im öffentlichen Raum zu tun hat. Stellplätze sind der Schlüssel dafür, dass CarSharing sichtbarer wird und noch näher an das Leben der Menschen rückt. Wenn an der eigenen Ecke plötzlich ein cambio-Auto steht, wird die Alternative zum eigenen Pkw ganz konkret erlebbar – und nicht nur eine abstrakte Idee aus der Verkehrspolitik.
Dass die Stadt Berlin hier zunehmend aktiv wird und mit uns Mobilitätssharern gut zusammenarbeitet, empfinde ich als sehr positiven Schritt. Je besser wir gemeinsam planen und Flächen bereitstellen, desto mehr Menschen können ihr Mobilitätsverhalten verändern – darauf freue ich mich in den nächsten Jahren ganz besonders.
Ganz lieben Dank, Jamel, dass du dir
die Zeit für das Gespräch genommen hast!
Text: Catharina Oppitz
Bilder: cambio
Veröffentlicht am: 26.05.2026