Verkehrskonzepte – damals und heute

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Aus der Welt von cambio
Mobilitätskonzepte in modernen Großstädten

Fußgängerzonen, Tempo 30, Fahrrad- und Spielstraßen, dazu Stickoxide und Feinstaub – das Auto als ehemaliger Platzhirsch hat es zunehmend schwer im Stadtverkehr. Saubere Luft und weniger parkende Autos, gerade in Ballungsräumen sind das sehr aktuelle Themen.

Wir schreiben das Jahr 1979: Immer mehr Autos verstopfen die Straßen, Ausweichfahrten durch Wohngebiete verdrängen Rad­fahrer und Fußgänger. Der Lebensraum Straße ist zugeparkt. Die
Stadt Bremen wagt ein Experiment, sie nennt es »Verkehrsberuhi­gung«. Eine neue Straßenführung verhindert nun die Durchfahrt durch enge Wohnviertel, versetzte Parkzonen nehmen das Tempo raus. Der Straßenraum wird neu gestaltet: Fußgänger, Radfahrer und Autos nutzen die Fläche gemeinsam, echte Revolution zu dieser Zeit!

Überfüllte Straßen und Parkhäuser

Bis weit in die 70er Jahre richtete sich die Verkehrsplanung in der Regel an der zunehmenden Zahl der Pkw aus. In den Städten entstanden Unterführungen und Stadtbrücken, um den Autoverkehr  auf eigenen Trassen möglichst schnell ans Ziel zu bringen. Das Motiv der autogerechten Stadt bewegte die Planer. Mit der Förderung des automobilen Individualverkehrs gewann dieser zusätzlich an Attraktivität, doch sein Erfolg war gleichzeitig sein Problem. Ende der 1970er Jahre war in der Bundesrepublik die Autodichte auf rund 300 Pkw pro 1.000 Einwohner angestiegen. Die Innenstädte konnten den einströmenden Verkehr nicht mehr meistern, die Straßen verstopften.

Langsam dämmerte es den Verkehrsplanern, dass immer mehr Autos die Lebensqualität der Stadt­bewohner beeinträchtigte. Sie gingen dazu über, den Verkehrsfluss einzuschränken, anstatt ihn zu fördern. 1980 entstanden die ersten Spielstraßen, 1983 führte Buxtehude die erste Tempo 30-Zone in Deutschland ein. Park & Ride, ein Konzept, das 1972 anlässlich der Olympischen Spiele in München entstand, sorgte zumindest teilweise dafür, dass Autos gar nicht erst in die Innenstadt hinein fuhren. 1990 entstehen in Deutschland die ersten CarSharing-Organisatio­nen. Eine neue und clevere Idee: ein Auto nicht mehr zu besitzen, sondern es bei Bedarf einfach zu nutzen und ansonsten andere damit fahren zu lassen.

533 Pkw pro 1.000 Einwohner

Auch wenn sich viele Menschen in den letzten 30 Jahren für eine Verkehrsberuhigung eingesetzt haben – die Probleme sind nicht kleiner geworden, sondern haben sich vielerorts sogar verstärkt. Gleichzeitig wandelt sich das Verhältnis zum Auto. Eine aktuelle  Studie des Umweltbundesamtes belegt: 82 Prozent aller Deutschen wollen weniger Autos in der Stadt. Einige europäische Städte versuchen mit einer Innenstadt-Maut den Verkehr und damit die Emissionen zu reduzieren. Berühmtestes Beispiel ist seit 2003  London, bereits seit 25 Jahren wird in Oslo eine City-Maut erhoben.

CarSharing so zukunftsweisend wie vor 25 Jahren

In Deutschland hat sich das eher weiche und deshalb umstrittene  Modell der Umweltzonen durchgesetzt. Städte wie Amsterdam, Wien oder Freiburg experimentieren seit vielen Jahren mit gänzlich autofreien Stadtvierteln. Ein stadtplanerisches Konzept, das immer mehr Verbreitung findet. Autofrei bedeutet aber nicht automatisch Autoverzicht. CarSharing-Stationen ermöglichen die Nutzung eines Autos, wenn es gebraucht wird. In neuen Wohnquartieren in Hamburg wird CarSha­ring schon bei der Verkehrsplanung mit einbezogen, mit dem Ziel, die Zahl der privaten Pkw zu reduzieren.

CarSharing hat sich als Instrument zur Verkehrsreduzierung bewährt und ist heute so zukunftsweisend wie vor 25 Jahren.

 

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(Text: Tim Bischoff / cambio CarSharing)

Der direkte Draht zum Team des cambio-Blogs: blog@cambio-CarSharing.de

1 comment

  1. Luise Hanson

    Über 500 Autos pro 1000 Einwohner ist schon eine sehr überraschende Zahl. Gerade in den Ballungsgebieten stehen die Zeiten aber auf Veränderung und die alternativen Transportideen werden wohl immer mehr in die Verkehrsplanung eingehen. CarSharing wird als Option immer sichtbarer und ich denke auch, dass in dem Modell viel Potential liegt.

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