Trend zum SUV:
Wer Straßen und Umwelt schadet, soll dafür aufkommen

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Allgemein
SUVs verstopfen die Innenstädte

Trotz des wachsenden Angebots umweltfreundlicher Alternativen, fahren immer mehr Autos durch die Straßen. Nicht zuletzt durch den Trend zum SUV ist die Automobilindustrie noch immer ein umsatzstarker Wirtschaftszweig. Die Autohersteller vermelden stetig neue Rekorde – beim Absatz, Umsatz und leider auch bei den CO2-Emissionen. Eine erschreckende Entwicklung, die nicht nur die Straßen marode macht, sondern auch der Umwelt schadet.

Die Zahl der Autos steigt weiter und sie werden größer und schwerer. In diesem Jahr lag der Anteil der SUV (Sport Utility Vehicle) innerhalb der ersten vier Monate bei den Neuzulassungen bei über 30 Prozent. Der Anteil der Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge ist ebenfalls gestiegen. Die Emissionseinsparungen der alternativen Antriebe werden jedoch durch den Trend zum SUV egalisiert und – viel schlimmer noch – ins Gegenteil umgekehrt. Erst kürzlich hat die Deutsche Energie-Agentur Zahlen veröffentlicht, aus denen hervorgeht: Der CO2-Ausstoß von Neuwagen in Deutschland steigt an. Doch lassen technologische Entwicklungen die Verbrauchswerte der Fahrzeuge nicht eigentlich sinken?

Weniger Verbrauch durch neue Technik

Innovationen lassen Motoren effizienter arbeiten und haben den Verbrauch von Pkw zuletzt gesenkt. Die Sprit-Einsparungen, die auf neue Techniken zurückzuführen sind, beliefen sich in den letzten zehn Jahren auf rund drei Prozent. Der Trend zum SUV hebt diesen Effekt aber wieder auf und sorgt dafür, dass im Endeffekt mehr Kraftstoff verbraucht wird. Ein Grund: SUVs haben von Haus aus ein viel höheres Gewicht. Bringt ein Kleinwagen zwischen 900 und 1.200 Kilo auf die Waage, beträgt das Leergewicht eines ausgewachsenen SUV leicht doppelt so viel. Dies bedeutet neben dem höheren Spritverbrauch und den höheren Emissionswerten auch eine Mehrbelastung der Straßen, die häufiger ausgebessert oder sogar erneuert werden müssen. Die schweren Karossen sind zudem größer und benötigen mehr Platz auf der Straße als ein Kleinwagen.

Warum liegt der SUV so im Trend?

Es kommen unterschiedliche Gründe in Betracht, warum sich Menschen für den Kauf eines SUV entscheiden. So könnten die großen, teuren Fahrzeuge als Statussymbol dienen. Wo vorher Luxuslimousinen gefragt waren, kommen jetzt die Luxus-SUV ins Spiel. Frei nach dem Motto: „Ich kann ihn mir leisten!“. Zudem mag das massive Auftreten des Fahrzeugs ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. Die höhere Sitzposition spricht für mehr Übersicht im Verkehr und die zusätzliche Bodenfreiheit für einen erhöhten Einstieg. Letzteres wäre sicherlich für ältere Autofahrer und -fahrerinnen ein Kaufargument. Und wenn wir auf die demografische Entwicklung blicken, wird letzterer Kaufgrund den Trend eventuell noch einige Zeit beleben.

Mit der derzeitigen Beliebtheit und seinem hohen Verbrauch, ist der SUV Schuld an dem Anstieg der CO2-Emissionen bei den Neuzulassungen. Diese betragen aktuell 132,2 g CO2/km. Ein SUV kommt jedoch problemlos auf 150 g CO2/km und mehr. Schauen wir über unsere Landesgrenzen hinweg, sieht es dort nicht viel besser aus. Auch in den anderen Ländern in der EU macht sich die Beliebtheit der SUVs im Anstieg der CO2-Emissionen bemerkbar.

Brüssel regelt nun, was die EU-Länder nicht hinkriegen

Es zeigt sich, dass es klare Vorgaben für CO2-Emissionen braucht, da es sonst keine Fortschritte beim Thema Klimaschutz gibt. Erst kürzlich hat das EU-Parlament beschlossen, dass die verkauften Neuwagen der Hersteller ab dem Jahr 2021 im Schnitt einen CO2-Ausstoß von 95 g/km haben müssen. Das Zeichen ist klar: Die EU gibt nun konkret vor, was der deutschen Bundesregierung nicht gelang, und bestenfalls durch Anreize geschaffen werden sollte. Die vorangegangenen Betrachtungen zeigen deutlich, dass die Zunahme der SUVs bei den Neuzulassungen das Erreichen notwendiger Zielvorgaben erschwert, oder sogar unmöglich macht. Aus umweltpolitischer Sicht ist es daher notwendig, die spezifischen Emissionen von SUVs deutlich zu verringern und/oder die Zulassungszahlen mit politischen Maßnahmen zu reduzieren.

SUV haben einen hohen CO2-Ausstoß - sie müssen entsprechend besteuert werden.

Die Besteuerung der Autos muss verändert werden, um den CO2-Ausstoß zu verringern.

Die Politik muss mutiger werden!

Wer mit seinem eigenen Wagen viel öffentlichen Raum beansprucht, die Straßen besonders belastet und viele umweltschädliche Emissionen verursacht, sollte dafür auch entsprechend aufkommen. Die Formel der Kfz-Steuer sollte entsprechend verändert werden. Gewicht und hohe Emissionen sind viel stärker zu berücksichtigen. Die Politik muss mutiger sein, wenn es darum geht, die Mobilität der Zukunft zu gestalten. Es geht nicht darum, etwas zu verbieten. Es geht vielmehr darum, die Kosten den Verursachern in Rechnung zu stellen und somit für das Gemeinwesen gerechter.

Dem umweltbelastenden Individualverkehr muss eine attraktive Alternative gegenübergestellt werden. Wichtig ist ein vielschichtiger Masterplan, der nicht nur ein Fortbewegungsmittel bevorzugt behandelt. So muss der öffentliche Nahverkehr attraktiver gestaltet werden. Durch höhere Taktungen, weniger Ausfälle, mehr Sicherheit und Komfort vor und während der Fahrt. Zudem müssen die Fahrradwege besser ausgebaut werden, damit sie sicherer werden und das Fahrrad als Fortbewegungsmittel nicht als Beiwerk geplant wird. Hinzu kommen geteilte Angebote mit CarSharing, Fahr- und Lastenrädern, Elektrotretrollern, denen im öffentlichen Raum deutlich mehr Platz gegeben werden muss, damit sie gut wahrnehmbar sind und von den Menschen angenommen werden. Nur wenn sich die Mobilitätsangebote reibungslos aneinanderfügen, bilden sie eine attraktive Alternative zum privaten Pkw – und verringern die Belastung von Umwelt, Mensch und Straße.

Text: Arne Franke, Fotos: Adobe Stock, iStock

17 comments

    1. Arne Franke

      Das ist leider nicht ganz richtig. Das Grundgewicht eines SUV ist einfach höher, der Luftwiderstand ebenso. Entsprechend muss mehr Kraft für den Antrieb aufgebracht werden. Und nur weil etwas mit Strom angetrieben wird, ist es nicht gleich sauberer. Noch ist nämlich der Anteil der fossilen Brennstoffe an der Erzeugung des Ladestroms hoch. Die Abgase entstehen halt nur nicht lokal, sondern in den Elektrizitätswerken, die mit Kohle und Gas betrieben werden. Umweltfreundlicher wäre ein Antrieb, der ausschießlich mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben wird.

    1. Arne Franke

      Für die meisten Fahrten benötigt man keinen SUV, das Gewicht des großen Wagens muss trotzdem bewegt werden. Partikelfilter wären ein Anfang um den Feinstaub-Ausstoß zu reduzieren. Bei cambio versuchen wir nach Möglichkeit immer die umweltfreundlichsten Fahrzeuge einzukaufen, die gleichzeitig praktisch sind. So besitzt die neueste Generation unserer Fiesta einen Partikelfilter, der den Ausstoß von Feinstaub reduziert. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, lesen Sie gerne hier weiter: https://www.cambio-carsharing.de/blog/partikelfilter-fiesta/

  1. hochtief

    Ich bin der Meinung, dass einige Aspekte hier nicht beachtet werden. Der Vergleich eines SUV mit einem Kleinwagen ist unsinnig. Er sugerriert nämlich, dass ein PKW-Fahrer sich als Ersatz für einen SUV einen Kleinwagen kaufen würde. Die Nutzer der SUV werden aber eher wieder zu gut motorisierten „Kombi-Klasse“ zurückkehren, die mit aufkommen der SUV kleiner geworden ist. Der Verbrauchsunterschied zwischen Kombi und SUV liegt bei vergleichbaren Fahrzeugen bei ca. 10 – 15%, was sich durch den Gewichtsunterschied und den anderen Luftwiderstand ergibt. Die Motorenpalette der Hersteller ist nämlich identisch.
    Hier ein Rechenbeispiel: Anteil Strassenverkehr an co2 Ausstoß ca. 18%. Anteil SUV an Bestands-PKW (nicht Neuzulassungen) ca. 15%. Mehrverbrauch SUV gegenüber vergleichbarem Kombi ca. 15%. Fazit: 18% x 15% x 15% = 0,4 %!! Durch ein generelles SUV Verbot würden also die CO2 Emission in Deutschland um 0,4 % reduziert. Nur die Abschaltung des Kohlekraftwerkes Niederaußen würde 3% einsparen. Symbolpolitik!!

    1. Arne Franke

      Wie sich derzeitige SUV-Fahrer in alternativen Autokäufen verhalten könnten, möchten wir nicht mutmaßen. Wenn Sie Ihre Rechnung mit Kleinwagen durchführen und berücksichtigen, dass die Menschen ihre Fahrzeuge zum Teil sogar ganz abschaffen, weil sie geteilte Angebote nutzen, dann bleibt der Wert gewiss nicht bei CO2-Einsparungen von 0,4 Prozent. Zum Vergleich: Ein Ford Fiesta hat nach NEFZ einen CO2 Ausstoß von 117 g/km, der Ausstoß eines Audi Avant RS liegt bei 262 g/km. Der Verkehr in Deutschland ist für 18 Prozent der Treibhausgase verantwortlich. Bei dem Anteil lohnen sich auch schon geringe Reduktion.

  2. Linda

    Ich möchter an dieser Stelle nochmal um den Ausbau der Stationen in Bremen Hemelingen bitten. Ich wohne in Mahndorf und versuche gerade mit zwei Kindern ohne Auto zurecht zu kommen. Die nächsten Stationen sind 3 bzw 5 Kilometer entfernt, die ich dann mit Fahrrad, Kind und Kindersitz versuche zu erreichen. Eines der Kinder muss dann zu Hause 30 bis 40 Min. warten, das ist logistisch nicht anders zu lösen. Ich bitte um eine Station am Bahnhof Mahndorf. Grüße!

    1. cambio CarSharing Deutschland

      Guten Tag Thomas,

      Sie haben vollkommen recht, wenn Sie sagen, dass es im Verhältnis gesehen werden muss. Hier sollte der Wert der CO2-Emission pro Kilometer betrachtet werden. Dieser Wert macht alle Verkehrsmittel miteinander vergleichbar. Und wenn wir uns die Sportgeländewagen einmal genauer ansehen, dann liegen die CO2-Emissionen bei einem SUV teilweise beim dreifachen Wert eines Kleinwagens. Und auch die sogenannten Mini-SUVs stoßen aufgrund ihrer Ausmaße und Gewicht wesentlich mehr aus als ein kleineres Auto. Wenn man es also im Verhältnis sieht, dann machen Gewicht und Größe den Unterschied, ob ein Auto mehr oder weniger umweltverträglich unterwegs ist.

      Sprechen wir von Elektroautos, dann gilt es ebenso: Wann immer eine große Masse mit hohem Luftwiderstand bewegt werden möchte, muss mehr Energie aufgebracht werden. Und dies resultiert in einem hohen Verbrauch und entsprechenden Emissionen. Je nach Herkunft des Stroms sind die Fahrzeuge dann natürlich nicht umweltfreundlicher. Und auch beim Thema Elektromobilität tragen kleinere (und leichtere) Autos zu einem umweltverträglicheren Verkehr bei. Die große Chance des Elektroautos ist jedoch, dass diese ab dem ersten Kilometer CO2-Emissionen einsparen, wenn sie mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden.

      Und natürlich ist es auch in den Ländern außerhalb der EU wichtig, dass der Verkehr umweltverträglicher wird. Neben der industriellen Produktion trägt der Verkehr einen wesentlichen Teil zu den CO2-Emissionen bei. Da ist es der richtige Schritt, bei sich selbst anzufangen, und die eigenen Verkehrsgewohnheiten einmal zu hinterfragen. Und dazu gehört sicherlich auch die Frage: Welches Fahrzeug brauche ich tatsächlich für den größten Teil meiner Wege?

      Viele Grüße,
      Ihr cambio-Team

      1. Jens Decker

        Durch eine einzelne Aktivität wird man die Welt nie retten können oder was immer man darunter versteht. Dafür ist natürlich immer eine Vielzahl an Maßnahmen nötig. Aber: warum soll der Vergleich nicht fair sein? Schließlich ist entscheidend, was mit dem KfZ an „Nutzlast“ bewegt wird. Wenn das wie üblich nur eine Person ist, ist so eine 3 Tonnen schwere Scheißkiste einfach aus meiner Sicht nicht zu tolerieren. Auch dann nicht, wenn sie mit einer Batterie oder als Dienstwagen mit einem Steuerspar-Pluginhybrid ausgerüstet ist und in der Realität dann doch mit dem Sprit vom Chef fährt.

  3. Thomas

    Das böse SUV….. Nein, sie sind nicht böse. Ein modernes SUV verbraucht sicherlich mehr als ein Kleinwagen, doch dieser Vergleich ist nicht fair. Eine Melone ist auch schwerer als eine Erbse. Das Gewicht eines Autos sagt nichts über die Umweltverträglichkeit aus. Man muss es im Verhältnis sehen.
    Elektroautos haben auch ein sehr hohes Gewicht. Sind sie genauso böse wie die SUV´s?

    Der PKW Verkehr tut sicherlich seinen Teil zum Klimawandel dazu, aber durch das schlecht reden oder gar verbieten von SUV und großen Autos werden wir die Welt allein nicht retten. Die Welt ist größer als die EU.

  4. Konrad Lötzsch

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich habe zwei Anmerkungen/Anregungen:
    1. Ich habe das Gefühl, das der alte blaue Ford Focus aus Rothe Erde weit weniger Benzin verbraucht als die neuen Ford Fiestas an der Bismarckstraße und wollte hier noch mal meine volle Unterstützung für möglichst sparsame Autos in der Cambioflotte zum Ausdruck bringen. Dafür können die Auto auch gerne gemütlich anfahren.

    2. Wir haben als Familie mit drei kleinen Kindern das extreme Glück, dass jetzt die Cambiostation unter unserem Fenster ist und sogar unsere Adresse hat. Letztes Jahr noch, als die Station 100 m entfernt war, hatten wir cambio für uns ausgeschlossen, weil wir nicht wussten, wie wir mit Kindern zwei Autositze (einer ist ja im Auto) so weit schleppen sollten. Dies ist gerade alleine (was ja im Alltag sehr oft vorkommt) nicht zu schaffen.
    Genauso, wie ich es unterstütze, dass Studenten kostenlose Grundgebühren bekommen, damit sie sich gar nicht erst ein erstes eigenes Auto zulegen, so finde ich es schade, dass junge Familien Cambio nicht nutzen können und sich dann ein eigenes Auto kaufen. Dies behalten sie dann auch noch, wenn sie nur noch die leichten Sitze brauchen, die die Kinder selber tragen können. Mir ist klar, dass die Kofferräume immer voll wären, wenn in jedem Auto drei Kindersitze gelagert würden, aber vielleicht können Sie ja mal darüber nachdenken, zumindest an den großen Stationen mit 4 oder mehr Auto Schränke aufzubauen, in den zusätzliche Sitze lagern.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Konrad Lötzsch

    1. cambio CarSharing Deutschland

      Hallo Herr Lötzsch,

      vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihre Anregungen.

      Leider ist es nicht möglich, immer alle Kundenwünsche zu erfüllen. Wir versuchen, es für die Mehrheit unserer Kunden passend zu machen. Schränke an den Stationen lassen sich zum Beispiel kaum umsetzen, da die Stellplätze entweder im öffentlichen Raum liegen oder von uns eigens angemietet wurden. Gerade für Familien haben wir die Fahrzeuge der Klasse M oder auch den 9-Sitzer in der Flotte. Oftmals nutzen Familien mit mehreren Kindern ihre eigenen Kindersitze.

      Zu ihrer Anmerkung bezüglich des Benzinverbrauchs: Wir haben die Listen-Verbrauchswerte mit unseren real gemessenen Werten einmal gegeneinander verglichen: Der neue Ford Fiesta mit Partikelfilter ist verbrauchs- und emissionsärmer unterwegs als der Ford Focus – da kann das subjektive Fahrempfinden täuschen. Grundsätzlich ist der Verbrauch eines Fahrzeuges auch immer von der Fahrweise abhängig und zum Beispiel im Stadtverkehr in der Regel höher als durchschnittlich angegeben.

      Viele Grüße und weiterhin gute Fahrt,
      Ihr cambio-Team

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