mobil.punkte – Eine Bremer Erfolgsgeschichte

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Allgemein

In Bremen sind im Jahr 2019 zwölf neue mobil.punkte eröffnet worden. Das sind CarSharing-Stationen im öffentlichen Straßenraum, die gut sichtbar und einfach zu Fuß, mit dem Rad oder mit Bus und Bahn zu erreichen sind. Wir haben mit Michael Glotz-Richter, Referent Nachhaltige Mobilität bei der Bremer Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau über die Bremer mobil.punkte als wichtiges Instrument einer nachhaltigen Verkehrsentwicklung gesprochen.

Was genau ist ein mobil.punkt?

Michael Glotz-Richter: mobil.punkte sind viel mehr als reine CarSharing-Stationen im öffentlichen Straßenraum – sie sind ein Instrument der Verkehrsraumgestaltung. mobil.punkte werden gerne an Straßenecken eingerichtet. Die bauliche Einfassung sorgt dafür, dass an diesen Stellen wildes Parken nicht mehr möglich ist und Rettungsfahrzeuge ungehindert passieren können. Das ist gerade in den innerstädtischen Quartieren mit engen Straßen und hohem Parkdruck wichtig. Zu einem mobil.punkt gehört natürlich auch die Stele, die schon von Weitem sichtbar ist. Während andere Städte ihre mobil.punkte mit farblich verspielten Stelen kennzeichnen, hat sich in Bremen die klare blaue Farbgebung als markant und hilfreich bewährt.

mobil.punkte sind mehr als CarSharing-Stellplätze im öffentlichen Straßenraum- sie sind Instrumente der Verkehrsraumgestaltung.

mobil.punkte sind mehr als CarSharing-Stellplätze im öffentlichen Straßenraum. Sie sind Instrumente der Verkehrsraumgestaltung.

Es gibt ja neben den mobil.punkten auch die mobil.pünktchen. Worin unterscheiden sie sich?

Als mobil.punkte bezeichnen wir zentrale Mobilitätsstationen, die sich an urbanen Verkehrsknotenpunkten befinden. Ein Beispiel ist der mobil.punkt am Dobben, wo sich mehrere Straßenbahnlinien kreuzen. Hier werden Flächen für mehrere CarSharing-Fahrzeuge unterschiedlicher Größen zur Verfügung gestellt. mobil.pünktchen liegen dezentraler in Wohnquartieren und bieten meist nur Platz für zwei Autos. Unser Ziel ist hier, mehr CarSharing-Fahrzeuge in die dicht besiedelten Wohnquartiere zu bringen.

Parken in dicht bewohnten Vierteln, ein schwieriges Thema. Was für ein Kommunikationskonzept hat die Stadt, die Anwohner darauf vorzubereiten, dass durch die Einrichtung von mobil.pünktchen Stellflächen für private Fahrzeuge verloren gehen?

Bei baulichen Maßnahmen setzen wir immer auf Transparenz im Vorfeld. Wir haben für jeden neuen mobil.punkt im Vorfeld Hauswurfsendungen mit Informationen für die Anwohner gemacht. Wir haben ein Faltblatt entwickelt, in dem ausführlich erklärt wird, was wir uns von der Einrichtung der mobil.punkte versprechen und welche verkehrsentlastende Wirkung diese Maßnahme hat. Da gibt es natürlich immer Nachfragen und auch manchmal eher negative Rückmeldungen. Das sind aber wenige. Uns ist es wichtig, die Anwohner mitzunehmen und zu erklären, warum wir was tun. Nicht jeder weiß, was CarSharing ist.

Und das überzeugt dann die Anwohner?

Wer als Anwohner meint, ein Recht auf den eigenen Parkplatz vor der Haustür zu haben, wird sich auch von unseren Argumenten nicht unbedingt überzeugen lassen. Aber der Austausch trägt dazu bei,  „Druck aus dem Kessel“ zu nehmen – und viele verstehen auch, dass Carsharing dazu beiträgt, den Parkplatzdruck zu senken. Die Sorgen der Anwohner sind uns als Behörde ja wichtig.

Seit wann gibt es mobil.punkte in Bremen?

Die Idee, CarSharing-Stationen in den öffentlichen Straßenraum zu bringen, gibt es in Bremen schon seit 1994. Die beiden ersten mobil.punkte in Bremen waren im April 2003 an den Start gegangen, es gab 2004 schon erste Studienergebnisse, die die Entlastung durch diese Stationen belegten. Damit sind wir dann mit einem richtig gut wahrgenommenen Parlamentarischen Abend in Berlin in die Öffentlichkeit gegangen und im Juni 2005 hat der Bundestag auch hierzu einen ersten Beschluss gefasst. 2006 wurde Bremen im ADAC-Städtewettbewerb „Luftqualität verbessern – Mobilität sichern“ mit den mobil.punkten zum Bundessieger ernannt. Richtig Rückenwind hat unsere Bremer Strategie dann spätestens 2010 bekommen, als wir als „Urban Best Practice“ mit einem eigenen Stand auf der EXPO 2010 in Shanghai vertreten waren. Das damalige Motto der EXPO: „Better City – Better Life“. 2013 wurde dann der Bremer CarSharing-Aktionsplan von der Europäischen Kommission mit dem „European Sustainable Energy Award“ ausgezeichnet. In diesem Aktionsplan wurde genau dargelegt, wie CarSharing als Ergänzung zum ÖPNV und Radverkehr ausgebaut werden soll.

Welche Anforderung stellt die Stadt an die CarSharing-Anbieter, die mobil.punkte nutzen?

Im Aktionsplan wurde dabei festgelegt, dass die Stellplätze im öffentlichen Straßenraum nur von CarSharing-Anbietern angemietet werden können, die das Umweltsiegel „Blauer Engel“ haben. Ergänzend muss der Anbieter regelmäßig einen Nachweis über die tatsächliche Verkehrsentlastung seines Angebots erbringen. In Bremen sind wir derzeit bei 16 privaten Fahrzeugen, die durch ein einziges CarSharing- Auto ersetzt werden. Insgesamt sind das schon über 6.000 private Pkw weniger. Das ist eine Bilanz, die sich sehen lassen kann.

Die mobil.punkte – ein Bremer Exportschlager?

Auf jeden Fall! mobil.punkte nach Bremer Vorbild gibt es inzwischen in Nürnberg, Fürth und Erlangen. Und auch im norwegischen Bergen.

Ein Stückchen Bremen in Norwegen. Auch in Bergen haben sich die mobil.punkte bewährt.

Ein Stückchen Bremen in Norwegen. Auch in Bergen haben sich die mobil.punkte bewährt.

Seit 2017 ist das CarSharing-Gesetz in Kraft. Haben sich die mobil.punkte damit nicht überlebt?

Nein, ganz im Gegenteil. Das CarSharing-Gesetz hat endlich Rechtsklarheit für CarSharing-Plätze im öffentlichen Straßenraum geschaffen. Und nochmal: Ein mobil.punkt ist mehr als ein ausgeschilderter Stellplatz für CarSharing-Fahrzeuge. Durch die baulichen Maßnahmen ist ein mobil.punkt Bestandteil von nachhaltigem Straßenraummanagement.

Wie sieht die Zukunft der mobil.punkte aus?

Die Straßen sind übernutzt, es müssen Alternativen zum eigenen Auto geschaffen werden. Ich glaube, dass CarSharing ein wichtiger Baustein für eine zukunftsfähige Verkehrsplanung ist – wir müssen den Menschen doch etwas Intelligenteres anbieten als Parkgaragen. Die sind teuer in Bau und Unterhalt. Wir wollen eine ganze Bandbreite an mobil.punkten schaffen, um einen Alltag ohne privaten Pkw möglich zu machen. Da ist gerade Wohnungsneubau ein wichtiges Stichwort. Hier müssen Mobilitätsdienstleistungen wie CarSharing oder Lastenrad-Sharing von Anfang an intensiver mitgedacht werden.

Und der unmittelbare Plan für 2020?

Wir möchten mindestens zehn weitere mobil.punkte und mobil.pünktchen in Bremen einrichten.

Herr Glotz-Richter, vielen Dank für dieses interessante Gespräch!

In diesem Jahr wurden im Bremer Stadtgebiet zehn neue mobil.punkte eröffnet. Hier stehen nun in FindorffGröpelingen, in Mitte, in der Neustadt, in der Vahr und in Walle mehr als 25 zusätzliche cambio-Autos für Sie bereit.

Noch kein Kunde? Dann informieren Sie sich jetzt hier und steigen Sie ein!

(Text: Catharina Oppitz / Fotos: Senatspressestelle Bremen)

 

2 comments

  1. gisela

    hallo,
    ich bin seit jahren cambio kunde.
    gibt es eigentlich überlegungen, zufünftig auch stationsabgabe auch in anderen stadtteilen zu ermöglichen?
    z.b. wenn ich mit gepäck zum flughafen fahre, würde ich das auto gerne dort abstellen können.
    mit freundlichen grüssen
    gisela

    1. cambio Deutschland Post author

      Das ist bislang nicht in Planung. Denn wenn unsere Kunden die Autos am Flughafen abgeben könnten, müssten wir dort Parkplätze anmieten – auch wenn sie nur sporadisch genutzt würden. Außerdem müssten wir auch regemäßig Autos vom Flughafen wieder zurück ins Stadtgebiet fahren, und damit würden die Preise dann in Richtung Taxi-Niveau steigen. Durch unsere aktuellen Preise lässt sich dieser Service leider nicht finanzieren!

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