Mit dem E-Auto in den Urlaub. Vollelektrifiziert auf Reisen

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Aus der Welt von cambio Fahrzeuge
Mit dem cambio Zoe nach Österreich

Ein Elektroauto für die Langstrecke, kann das klappen? Ein cambio-Kunde hat den Selbstversuch gewagt, es ging von Köln nach Österreich.

Aktuell begrenzen wir Fahrten mit dem E-Mobil auf 72 Stunden. Hintergrund ist die vergleichsweise geringe Reichweite sowie unser Bestreben, Elektroautos nur mit  Ökostrom zu laden. Als Carsharing-Anbieter, der die mobile, umweltverträgliche Zukunft aktiv mitgestalten möchte, testen wir aber heute schon, wie auch Langstrecken elektrisch zurückgelegt werden können und welche Herausforderungen dabei auf alle Beteiligten zukommen. Der Kölner cambio-Kunde Peter Königsgruber hat so eine Testfahrt nach Österreich unternommen. Hier ist sein Reisebericht:


„Der Renault ZOE ist der tollste Wagen im cambio-Fuhrpark. Immer voll geladen, leise, emissionsfrei und mit einer ungewohnt raschen Beschleunigung macht das Fahren im Stadtgebiet wieder Spass.  Mit knapp 150 km realer Reichweite ist dieses Auto ideal für den Großteil der Fahrten in und um die Stadt.

Doch wie verhält es sich auf der Langstrecke?  Steht die Infrastruktur um das Auto nach 150 km zuverlässig auch wieder zu laden? Wie ist der Reisekomfort, wenn man etwa jede Stunde eine Pause machen muss? Kann ein Elektromotor überhaupt so lange laufen ohne zu explodieren? Hält der Akku ohne zu schmelzen?

Eine Reise mit dem E-Auto muss geplant sein

Unterwegs mit CarSharing E-AutoBevor ich mich jedoch mit der kompletten Famillie und dem ZOE in den Sommerurlaub wage, ist es vielleicht besser, einen ersten kleinen Test in den Herbstferien zu machen. Also, auf nach Österreich. Knapp 800 km hauptsächlich die A3 Richtung Süden und noch ein paar Panoramakilometer Richtung Steyr „der Stadt am Fluss der Zeit“ sollten in zwölf Stunden doch zu schaffen sein. Mit dem Zug dauert die Reise etwa zehn Stunden, ein Auto mit Verbrennungsmotor kann die Strecke theoretisch in acht Stunden schaffen.

Schon die Planung für eine Reise mit dem E-Mobil unterscheidet sich von einer üblichen längeren Autofahrt. Einfach das Ziel in das Navi eingeben und schon mal drauf los fahren ist zwar möglich, aber nicht ratsam. Man sollte sich schon einen Überblick über die Ladeinfrastruktur auf der Strecke verschaffen, ehe man los fährt. Nicht alle Navis listen alle Lademöglichkeiten und nicht alle Lademöglichkeiten sind ohne Authentifizierung nutzbar. Eine unverzichtbare Hilfe war dabei die Website www.goingelectric.de mit einem ganz brauchbaren Routenplaner sowie Rat und Tat aus dem Forum. Und nicht alle ZOE im Fuhrpark können auch entsprechend schnell laden um die “Unterbrechung” möglichst kurz zu halten. Es ist also nötig, sich einigermassen zu bilden und zu informieren.

Die Fahrweise hat einen direkten Einfluss auf die Reichweite

cambio CarSharing ZOE CockpitDas richtige Auto ist reserviert und die Strecke mit den Ladestopps optimal geplant – es kann also los gehen. Ruhig aber doch zügig gleitet man aus der Stadt raus auf die Autobahn und reiht sich erstmal auf der rechten Spur ein, immer den aktuellen Verbrauch im Blick. Die Herausforderung für die nächsten Stunden ist es, die Differenz zwischen der restlichen Reichweite und der Strecke bis zum nächsten Ladehalt im Plusbereich zu behalten. Es ist fast so wie ein Computerspiel. Die Fahrweise hat einen direkten Einfluss auf die Reichweite. Schnelles Beschleunigen, bergauf fahren, Geschwindigkeiten über 120 km/h verbrauchen soviel mehr an kostbarer Energie, dass man sich ganz schnell eine ökologische Fahrweise aneignet. Also: die Geschwindigkeit zwischen 90 und 110 km/h, möglichst im Verkehrsfluss mitschwimmen, starkes Gefälle im Leerlauf nutzen und zum Bremsen die so genannte Rekuperation verwenden. Womit wir auch schon bei den Vorteilen eines E-Mobil sind: beim Bremsen wird der Akku wieder geladen und im Leerlauf (oder im Stau) verbraucht der Motor keine – also null – Energie.

Willkommen in der postfossilen Zukunft

Nach den ersten hundert Kilometern hat man auch den Dreh raus und man gewöhnt sich an diese Art des Fahrens. Ich habe für meine Fahrt auf der A3 die Lademöglichkeiten von den Tank&Rastcambio CarSharing Elektroauto Stationen gewählt. Also runter zur Raststation, vorbei an der Tankstelle, findet man die Ladesäule bei den Parkplätzen. Noch nicht durchgehend ausgeschildert aber mit etwas detektivischen Gespür und der entsprechenden Vorbereitung dann doch ganz gut und schnell zu finden. Diese Triple-Lader haben drei fix montierte Kabel für unterschiedliche Ladestandards. Der Renault ZOE nutzt das Typ2-Kabel. Kabel angesteckt, Ladung aktiviert und fertig.
Je nachdem wie weit die nächste Etappe gehen soll dauert der Ladevorgang zwischen ein paar Minuten und etwa einer halben Stunde. Danach kann es auch schon wieder weiter gehen. Das ist also der Rhythmus für die nächsten Stunden. Fahren oder gleiten oder doch eher kriechen, immer den Verbrauch die restliche Reichweite und die Entfernung zum nächsten Halt im Blick und sich freuen, dass die Art der Fortbewegung tatsächlich (vor Ort) emissionsfrei funktioniert. Vorbei an den Wind- und Solarkraftwerken in Bayern fühlt man sich schon mal in der postfossilen Zukunft angekommen.

Kabel angesteckt, Ladung aktiviert und fertig

Zugegeben 100 km/h auf einer deutschen Autobahn sind lächerlich, eine Reichweite von 120 km noch zu wenig und eine erzwungene Pause nach gut einer Stunde ist etwas für Leute mit Auftanken des cambio ZOEs an der LadesäuleBlasenschwäche oder einem krassen Nikotinproblem. Aber – es macht unglaublichen Spass, wenn man weiß worauf man sich einlässt. Dieser Rhythmus, der sich bei so einer langen Strecke ergibt hat etwas von Entschleunigung. Die Fahrweise lässt sich auch unter dem Begriff „Gamification“ einordnen.
Die Infrastruktur hat auf meiner Strecke einwandfrei funktioniert. Die Tank&Rast Ladesäulen waren jedes Mal gut erreichbar, nicht zugeparkt und ganz einfach zu aktivieren. Auch die anderen Lademöglichkeiten (z.B. im Einkaufszentrum, beim Supermarkt oder in einem Autohaus) haben zuverlässig funktioniert.

Das Auto hat mich zwar immer wieder mal gewarnt, dass das Ziel nicht erreichbar sei, aber eine einfache Kalkulation hat mich beruhigt. 100 km Reichweite und 50 km bis zum Ziel – was soll da bitte nicht erreichbar sein? Erstaunlich war auch die Leistung des Akkus, wenn man bedenkt, dass der 15 Stunden am Stück aktiv war und entweder Strom abgegeben oder aufgenommen hat.
Für die 760 km habe ich letztlich 15 Stunden gebraucht. (Zurück nur noch 14!) und dabei 121 kWh Energie verbraucht. Das ist ungefähr der Stromverbrauch eines Ein-Personen-Haushaltes pro Monat. Oder die nötige Menge Energie um 30 Stunden Kekse zu backen. Oder eine 7-Watt Energiesparlampe zwei Jahre leuchten zu lassen – durchgehend.

Perfekt für eine Reise zu zweit mit geringem Gepäck

Was ich nicht verbraucht habe, ist etwa 70 Liter Benzin und ca. 150 kg CO2, die bei einer Fahrt auf dieser Strecke ausgestoßen worden wären. Ein Kastanienbaum braucht etwa 40 Tage, um diese Menge aus der Atmosphäre wieder zu absorbieren. Ausflüge um die 400 km sind auf jeden Fall und mit geringem Planungsaufwand machbar und sehr zu empfehlen.

Ob ich an einem Juli-Tag, zu dritt und mit Urlaubsgepäck diese Strapazen auf mich nehmen werde, ist fraglich. Das gilt aber für jedes Auto.
Am entspanntesten lässt sich die Strecke auf jeden Fall mit dem Zug zurück legen.

Um aber dann am Urlaubsort mobil zu sein ist der Renault Zoe die ideale Wahl.“

(Text: Peter Königsgruber)


Wir bedanken uns herzlich bei Herrn Königsgruber für diesen Bericht. Derzeit arbeiten wir an der Aufgabe, die Ladung mit Ökostrom auch auf längeren Strecken zu ermöglichen. Denn nur so ist elektrisch fahren wirklich klimafreundlich und nur so wird wirklich CO2 eingespart. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

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