3 comments

  1. Joachim Schwarz

    Stellen wir uns kurz vor, die 43 Millionen Autos in Deutschland wären über Nacht plötzlich alle elektrisch. Was hätten wir gewonnen? Die Straßen? Gleichermaßen zugeparkt! Das Einkommen der Bevölkerung gleichermaßen sinnlos festgelegt. Die gleiche Anzahl verletzter Fußgänger und Radfahrer. Die gleiche Zersiedelung der Landschaft….

    Wenn man sonst nichts ändert, lösen Elektroautos ziemlich genau eines der vielen Probleme, die das Konzept „Automobilität“ insgesamt verursacht. Dieser eine, kleine positive Beitrag heißt „Weniger Immission in der Stadt“ (weniger Lärm und weniger Abgase direkt in der Wohnumgebung). Alle anderen Probleme hängen nicht an der Antriebsart, sondern an der Idee „privates Auto“. Mit der Kaufprämie wird genau diese überholte Idee fortgesetzt. Möglichst viele Leute sollen sich ein tolles Elektromobil anschaffen, damit unsre Autobauer den Anschluss an den Weltmarkt nicht verlieren.

    Zur Veranschaulichung: Wenn sich 5 Leute gemeinsam ein E-Auto kaufen, gibt es einmalig4.000 € Prämie. Kaufen sich die gleichen 5 Menschen jeder ein Eigenes, so werden 20.000 € Prämie ausbezahlt. Dem Gesetzgeber ist es also fünfmal so viel wert, wenn vier Autos mehr rumstehen.

    Welcher Strom ins Auto kommt spielt für die Kaufprämie ebenfalls keine Rolle. Also muss man die Umweltwirkung dieses Politikansatzes auch mit der Annahme bewerten, diese Autos werden mit dem deutschen Strommix geladen. Was nachweislich dazu führt, dass die Kisten mehr CO2 emittieren, als vergleichbare Benziner oder Diesel. Und die Umweltbelastung beim Bau der E-Autos ist sogar höher. Das einzige, und das soll man nicht verschweigen – aber auch nicht überbewerten: Dreck und Lärm entstehen nicht mehr in der Stadt, sondern anderswo. Gesundheitspolitisch ist das ein Gewinn.

    So gesehen, sind E-Autos ein netter kleiner Gimmick, ein nice-to-have. Wenn wir uns davon nicht den Blick fürs Wichtige verstellen lassen, gibt es nichts dagegen einzuwenden. Aber warum man Steuergelder von Fahrradfahrern und cambio-Kunden dafür ausgeben sollte, dass sich andere Leute ein Auto anschaffen begründet sich daraus nicht wirklich.

  2. cwunderlich

    Ehrlich gesagt verstehe ich als begeisterter Cambio-Kunde diesen Elektroauto kritischen Beitrag nicht so ganz. Ein Umstieg auf Elektroautos bedeutet doch nicht automatisch die gleichen Verkehrskonzepte beizubehalten. Ich würde mich freuen, wenn es in Zukunft ein Verkehrssystem mit möglichst viel Radverkehr und ÖPNV gibt und die restlichen PKW (Carsharing und wo noch benötigt privat) keine Verkehrslärm erzeugenden CO2, NOX und SO2-Schleudern sind, sondern leise und lokal emissionsfreie Elektroautos, die mit grünem Strom geladen werden. Wenn man das aber will, sollte man sich dem technologischen Wandel nicht in den Weg stellen und mit dem willkommen heißen von E-Autos warten bis irgendwann am Sankt-Nimmerleinstag vielleicht einmal das Verkehrssystem so ist wie wir uns das alle wünschen. Wollen wir so lange Lärm- und Luftschadstoffe in den Städten klaglos aktzeptieren?
    Oder glaubt ihr an ein künftiges Verkehrssystem ohne PKW? Das wäre für einen Carsharing-Anbieter irgendwie komisch, oder? 😉
    P.S.: Ob man die Kaufanreize dazu braucht oder nicht, darüber kann man gerne diskutieren…

    1. cambio Deutschland Post author

      Erstmal freuen wir uns natürlich über das schöne Feedback 🙂
      In dem Artikel geht es um ein Szenario oder vielmehr um die Frage, wie in 25 Jahren vielleicht die aktuelle Verkehrspolitik betrachtet werden wird. Laut Süddeutscher Zeitung vom 1.Mai stehen wir aktuell wir vor einer “Revolution der Mobilität”. Wo diese Reise hingeht, kann aktuell wohl niemand sagen. Klar ist für uns und für viele globale Unternehmen – auch außerhalb der Autoindustrie -, das Auto wird weiterhin eine große Rolle spielen. Eben nur anders.
      Ob der Versuch mit ein paar hundert Millionen an einem alten Konzept festzuhalten, nun die beste Idee ist, ob nun mit Elektro- oder Verbrennungsmotoren, wird sich zeigen.
      Aus unserer Sicht muss es darum gehen, Autos besser zu nutzen. Das geht nur über CarSharing. Nur dann wird es gelingen die wachsenden Städte der Zukunft auch für Menschen attraktiv zu halten.
      Natürlich geht es auch um die Reduktion der Schadstoffe – das ist doch klar! Und wenn Elektroautos dazu einen Beitrag leisten können, toll! Aktuell ist das aber zumindest fragwürdig, denn der Strommix in Deutschland ist eben nicht CO2 neutral – geschweige denn nachhaltig. Wenn der Dreck dann woanders aus den Schornsteinen kommt, was ist das gewonnen? Unsere Elektroautos in Hamburg, Aachen und Köln fahren mit nachhaltig gewonnenem Strom – ob das für 1 Mio. Autos auch gelingt, müssen wir ebenfalls abwarten.
      In der Elektromobilität vereinigen sich viele unterschiedliche Aspekte, vielleicht ist es der erste Schritt hin zu einer neuen Form der Auto-Mobilität und vielleicht tut sich Deutschland deswegen auch deswegen so schwer. Wenn wir das Szenario aber weiterspinnen und in der Stadt von morgen von automatisierten sauberen Elektroautos sprechen, die einen dort abholen, wo man sich befindet und in der ein vernetztes System von unterschiedlichen Mobilitätsoptionen bereits Realität ist, wer würde dann zurück ins Jahr 2016 wollen? Wer würde sein Smartphone schon gehen ein Schnur-Telefon mit Wählscheibe tauschen wollen?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *