CarSharing und die Elektroautos – mehr geteilte Autos oder Elektroautos?

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Fahrzeuge Stationen

CarSharing in Bremen, das macht cambio seit 25 Jahren. Vor 25 Jahren gab es noch keine Elektroautos und wenn, dann stellten sich auch damals schon die gleichen Fragen wie heute.
Elektroautos sind toll – sie sind futuristisch, CO2-freier und leiser. Ihr Vorteil ist gleichzeitig ihr Nachteil: Sie fahren mit Strom! 

Mehr Stationen, oder mehr Elektroautos?

Hinter der Frage steckt die Überlegung: Sollen mehr Bremerinnen und Bremer den Zugang zu einem CarSharing-Auto erhalten, oder doch besser weniger zu einem Elektroauto?

Ein cambioAuto emittiert im Schnitt aktuell 102g CO2/km, deutlich weniger als der Schnitt aller Neuwagen in Europa.

Ein cambioAuto emittiert im Schnitt aktuell 102g CO2/km, deutlich weniger als der Schnitt aller Neuwagen in Europa.

Was ist nachhaltiger? Was ist besser für die Menschen und die Stadt und was ist auch wirtschaftlich realistisch?

cambio Bremen hat sich für den Netzausbau, also mehr Stationen, entschieden. Die Umweltbilanz eines Elektroautos ist nur dann besser, wenn der Strom wirklich aus regenerativen Kraftwerken kommt und nachhaltig erzeugt wird. Es nützt wenig, wenn das CO2 z.B. in Kohlekraftwerken außerhalb der Städte produziert wird, um eine Flotte mit Elektroautos „sauber“ durch die Stadt zu bewegen. Und auch ein Elektroauto ist nur dann besser, wenn es genutzt wird.
Ein cambioAuto emittiert im Schnitt aktuell 102g CO2/km. Der deutsche Schnitt bei Neuwagen liegt bei 132g CO2/km. – einige Hersteller schaffen nicht mal die 140 g CO2/km, so hat es die Europäische Umweltagentur 2012 ermittelt.

Wirtschaftlichkeit im Blick behalten

Zum Vergleich: Ein Elektroauto kostet allein in der Anschaffung mindestens das Doppelte im Vergleich zu einem Dieselfahrzeug, dazu kommen weitere Kosten für Ladesäule etc. Das wissen wir aus anderen Städten. Gleichzeitig ist die Bereitschaft vieler Kunden gering, statt 1,70 Eurpo pro Stunde im Aktiv Tarif 3,40 Euro zu zahlen, nur weil es sich um ein Elektroauto handelt.

cambio erhält keine Förderung von der Stadt, für keine Station, auch für die mobil.punkte nicht, für die eine Überlassungsgebühr erhoben wird. Elektroautos anzubieten, für die es für einen bestimmten Preis keine Nachfrage gibt, ist daher wenig sinnvoll. Fehlt die Nachfrage, können weniger Autos angeboten werden. Mit weniger Fahrzeugen sinkt die Zahl derer, die zuverlässig ein CarSharing-Auto zur Verfügung haben.
Wenn aber die Zuverlässigkeit sinkt, wird das CarSharing-Auto für weniger Menschen zu einer echten Alternative. CarSharing funktioniert nur, wenn es zuverlässig dann ein Fahrzeug gibt, wenn es gebraucht wird. Klappt das nicht, werden schnell wieder andere Alternativen attraktiv, z.B. das eigene Auto.

Ladesäulen an jeder Station

Mit unterschiedlichen Partnern gelingt es in anderen Städten, dieser Herausforderung zu begegnen. Das größte Problem bleibt aber die nicht vorhandene Infrastruktur. Elektroautos brauchen Stromsäulen, an denen sie aufgeladen werden können. Gibt es diese nicht in ausreichender Anzahl, steht das Fahrzeug schnell mit leerem Akku am Straßenrand.
cambio Bremen nutzt ganz unterschiedliche Stellplätze. Im öffentlichen Raum in Form der mobil.punkte und private in Parkhäusern und auf sonstigen Flächen. Keiner dieser Stellplätze verfügt aktuell über eine Ladesäule oder die Möglichkeit, ohne Bauantrag und damit verbundenen hohen Kosten, eine zu installieren. Entsprechend können an den derzeit vorhandenen Stationen keine eMobile eingesetzt werden. Es muss also ein Netz von Ladesäulen entstehen – zumindest aber die Infrastruktur in Form von Stromkabeln  –  damit es theoretisch möglich wäre, ein Elektroauto bzw. eine Ladesäule installieren und betreiben zu können. Bislang gibt es keine Idee, wie das funktionieren kann.
Elektromobilität bedeutet also mehr als einfach nur der Kauf eines Autos. Aktuell gibt es viele offene Punkte, die die Entscheidung zwischen eMobilen oder mehr Stationen zugunsten der Ausweitung des Stationsnetzes verschieben.

Netzausbau geht vor

In 15 Bremer Stadtteilen gibt es mittlerweile eine cambio-Station. Über 10.000 Bremer nutzen 234 Fahrzeuge.

In 15 Bremer Stadtteilen gibt es mittlerweile eine cambio-Station. Über 10.000 Bremer nutzen 234 Fahrzeuge.

Wir erhalten täglich neue Anfragen, wann es eine Station in einem Stadtteil, an einer Straße geben wird oder wie die Planungen für ein Quartier aussehen. CarSharing ist offenbar für viele eine Alternative geworden. Unser Ziel ist es, diesen Menschen den Umstieg in ein CarSharing-Auto zu ermöglichen.
Die Kombination von Elektroautos und konventionellen Fahrzeugen funktioniert sehr gut, das wissen wir aus anderen Städten. Aber erst wenn es gelingt, mit mehreren Partnern eine zuverlässige und langfristig planbare Infrastruktur zu schaffen, macht die gleichzeitige Investition in Netzausbau, Elektroautos und Ladesäulen auch in Bremen Sinn. Fehlt dieses Engagement, setzen wir weiterhin eher darauf, mit der Ausweitung des Stationsnetzes mehr Menschen von CarSharing zu überzeugen. Kommt dann irgendwann ein Netz für Elektroautos, umso besser.

Am Ende zählen weniger Autos auf den Straßen

CarSharing mit energieeffizienten, aber konventionellen Fahrzeugen ergibt doppelt Sinn. Es ermöglicht einerseits einen zügigen Netzausbau und führt weiter dazu, sowohl ungenutzte Fahrzeuge als auch Fahrten zu reduzieren. Zusätzlich führen die effizienten Motoren zu einem unterdurchschnittlichen CO2 Ausstoß.
Langfristig kann der Einsatz von Elektroautos besser und sinnvoller sein, wenn die verwendete Energie sauber ist und die Infrastruktur vorhanden wäre. Die aktuellen Probleme der Elektroautos (z.B. geringe Reichweite) spielten dann zumindest im innerstädtischen Verkehr keine Rolle mehr. In Kombination mit herkömmlichen Fahrzeugen für lange Strecken können damit die Elektroautos ihre Stärken ausspielen.
Schon heute zeigt sich, wie CarSharing den innerstädtischen Verkehr entlastet, und das unabhängig davon, ob es mit Elektroautos oder Dieselfahrzeugen durchgeführt wird.
Solange die vielen Fragen zum Thema Elektromobilität nicht geklärt sind, sind wir der Ansicht, dass es besser ist, diese Vorteile des CarSharing weiter zu nutzen und durch mehr Kunden noch zu verstärken.
Am Ende zählt es, dass weniger Autos auf den Straßen unterwegs sind, gleichgültig mit welchem Motor. Nur die Reduzierung der Anzahl von Fahrzeugen führt langfristig zu mehr Lebensqualität in unserer Stadt.

(Text: Tim Bischoff / cambio CarSharing)

Den Gastkommentar „Der Blaue Engel Car-Sharing und die Elektromobilität“ von Willi Loose, Geschäftsführer Bundesverband CarSharing (bcs), finden Sie auf der cambio Website.

Auf facebook mitdiskutieren: Mehr CarSharing Fahrzeuge in Ihrer Nähe oder weniger Stationen und dafür E-Autos?

Der direkte Draht zum Team des cambio Blogs: blog@cambio-CarSharing.de

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